Lügen

Er sitzt am Tisch und isst Kuchen. Die anderen Frauen sind in der Küche. Leises Geflüster ist mit dem Duft von frischem Kaffee gemischt. Seine Frau rührt gewissenhafit dem Löffel in der Tasse. Zucker oder war es Milch ? Er beobachtet sie verstohlen.

„Du hast Sahne am Bart!“ Er wischt mit der Serviette über seinen Mund.

Der Mann gegenüber drückt den Teller von sich und zündet sich eine Zigarette an.

„Du hast einen sinnlichen Mund…“ ihre Stimme flüstert in seinem Kopf. Er kneift kurz die Augen zu, bevor das Gefühl in seinen Unterleib schiesst. Sie.

Er sieht seine Frau an. Sie kaut. Er fragt sich , was er sie jemals ’schön‘ fand. Vielleicht ihren Mund? Die rundliche Nase? Die Falten an ihren Augen? Ihre Hände. Diese kleinen festen Hände, die 40 Jahre lang nach ihm griffen? Kinder hielten, streichelten, ernährten, verwöhnten und weh taten. Er sucht den Blick der anderen in ihren Augen.

Er blinzelt. Der Mann gegenüber bemerkt seine Unruhe. Betroffen sieht er auf den Tisch, dann in seine Augen.

„Jaja, so ist das.“ meint der rauchende Mann.

Sie hört auf zu rühren.

Er sieht sie an : „Der Kaffee kotzt gleich, dem ist schwindelig!“

Der rauchende Typ grinst in seinen grauen Bart.

Sie sieht ihn an. Braune Augen, müde und resigniert. Ohne erkennbare Emotion öffnet sie den Mund und sagt:

„Es ist besser, wenn Du jetzt zu ihr fährst. Morgen früh müssen die Enkel zur Schule, sei pünktlich!“

Et maintenant…

Et maintenant que vais-je faire

De tout ce temps que sera ma vie

De tous ces gens qui m’indiffèrent

Maintenant que tu es partie

Toutes ces nuits, pourquoi, pour qui

Et ce matin qui revient pour rien

Ce cœur qui bat, pour qui, pourquoi

Qui bat trop fort, trop fort

Et maintenant que vais-je faire

Je vais en rire pour ne plus pleurer

Je vais brûler des nuits entières

Au matin, au matin je te haïrai

Et puis un soir dans mon miroir

Je verrai bien la fin du chemin

Pas une fleur et pas de pleurs

Au moment de l’adieu

Je n’ai vraiment plus rien à faire

Je n’ai vraiment plus rien

Landen

Ich finde nicht zurück. Diesmal ist mein Leben aus den Fugen. So war das nicht gedacht. Jedesmal bringst Du mein Leben aus den Gleichgewicht, dass ich trudle, mit der Wahrheit kollidiere und richtig heftig aufschlage. Ich wollte es so. Sagen wir, ich weiss dass es so kommt und nehme es in Kauf? Oder provoziere ich es bewusst? Du fehlst mir.

Zeit

Es waren keine Jahre, vielleicht Augenblicke.

Ich sehe Dich an. Ein Lächeln auf den Lippen schläfst Du neben mir, meine Hand haltend. Nach all der Zeit, Dein Geruch, Deine Stimme, Dein leichter Hauch an meinem Ohr. Es zieht in meinem Unterleib, wenn ich daran denke.

Die Leere ist weg. Ich bin eine andere. Wenn Du mir in die Augen siehst, spiegelst Du Dich darin und die jahrelange Leere in meinem Blick ist für diese paar Stunden verschwunden.

Damals

„Ich zwinge mich, an unser Lager am Fluss zu denken und an das erste Mal, als du mich im Flugzeug mitgenommen hast. Wie schön das alles war. Und wenn ich sicher bin, dass ich es nicht mehr aushalten kann, dann mache ich noch einen Moment weiter. Dann weiß ich, dass ich fähig bin, alles zu ertragen.“

Tania Blixen

Der Deal

Zwei Männer, die sich vorher nie gesehen hatten stehen rauchend vor der Tür.

„Siehst Du sie?“ fragte der Kleinere. Gezeichnet von Krankheit, verloren steht er da und bläst seinen Zigarettenrauch in die Luft.

„Die Frau da? Ja. Sie ist nicht zu übersehen.“

„Sie war sehr hübsch. Als Sie noch Haare hatte. Vor Jahren, damals… Ich war auch damals doppelt soviel, wie heute. Grösser und nicht so halb tot.“

Der andere schluckt und nickt. „Verstehe. Sie hat wunderschöne Augen.“

„Ich habe sie geliebt.“ Seine Augen werden schmal. „Sie ist gefährlich…“

Der Grössere grinst.

„Sie ist so zerbrechlich…“

Der Kleinere grinst ebenfalls.

„Naja, aber sie wird nicht sterben, im Gegensatz zu mir. Sie weiß es schon lange, dass ich es tue…“

Der Grössere sieht ihn betreten an.

„Ich werde auf sie aufpassen. Wie auch immer. Ich habe es ihr versprochen.“

Die Frau läuft auf die beiden zu und sieht sie direkt an.

„Hey, ihr zwei, mit dem gleichen verwirrenden Vornamen, was gibts da zu tuscheln? Mein Taxi kommt gleich und ich hätte gerne noch eine Zigarette von Euch.“

Der Kleinere zündet ihr eine an und gibt sie ihr. Ein Ritual, wie zwischen alten Vertrauten.

Sie rauchen still. Das Taxi kommt und sie haucht dem kleinen Mann einen Kuss auf die Stirn zum Abschied. Der andere dreht sich weg. Sie fährt.

„Du!“

Der Grössere runzelt die Stirn. „Was, ich?“

„Du wirst es tun.“

Der Grössere dreht sich verwirrt zum gehen…

Der kleinere Mann starb. Ein paar Monate nach dieser Begegnung, nahm der Tumor ihm sein Dasein.

Der andere starb nur kurz, während einer Operation wurde er wiederbelebt. Ein paar Wochen danach nahm er sein Telefon in die Hand.

„…ich kann nicht sagen, was es ist, aber ich konnte Dich nicht vergessen. Vom ersten Moment an, liebte ich Deine Augen…“ flüstert er und lässt langsam seine Finger in ihren Haaren spielen.

Nach einer wahren Geschichte.