Landen

Ich finde nicht zurück. Diesmal ist mein Leben aus den Fugen. So war das nicht gedacht. Jedesmal bringst Du mein Leben aus den Gleichgewicht, dass ich trudle, mit der Wahrheit kollidiere und richtig heftig aufschlage. Ich wollte es so. Sagen wir, ich weiss dass es so kommt und nehme es in Kauf? Oder provoziere ich es bewusst? Du fehlst mir.

Zeit

Es waren keine Jahre, vielleicht Augenblicke.

Ich sehe Dich an. Ein Lächeln auf den Lippen schläfst Du neben mir, meine Hand haltend. Nach all der Zeit, Dein Geruch, Deine Stimme, Dein leichter Hauch an meinem Ohr. Es zieht in meinem Unterleib, wenn ich daran denke.

Die Leere ist weg. Ich bin eine andere. Wenn Du mir in die Augen siehst, spiegelst Du Dich darin und die jahrelange Leere in meinem Blick ist für diese paar Stunden verschwunden.

Damals

„Ich zwinge mich, an unser Lager am Fluss zu denken und an das erste Mal, als du mich im Flugzeug mitgenommen hast. Wie schön das alles war. Und wenn ich sicher bin, dass ich es nicht mehr aushalten kann, dann mache ich noch einen Moment weiter. Dann weiß ich, dass ich fähig bin, alles zu ertragen.“

Tania Blixen

Der Deal

Zwei Männer, die sich vorher nie gesehen hatten stehen rauchend vor der Tür.

„Siehst Du sie?“ fragte der Kleinere. Gezeichnet von Krankheit, verloren steht er da und bläst seinen Zigarettenrauch in die Luft.

„Die Frau da? Ja. Sie ist nicht zu übersehen.“

„Sie war sehr hübsch. Als Sie noch Haare hatte. Vor Jahren, damals… Ich war auch damals doppelt soviel, wie heute. Grösser und nicht so halb tot.“

Der andere schluckt und nickt. „Verstehe. Sie hat wunderschöne Augen.“

„Ich habe sie geliebt.“ Seine Augen werden schmal. „Sie ist gefährlich…“

Der Grössere grinst.

„Sie ist so zerbrechlich…“

Der Kleinere grinst ebenfalls.

„Naja, aber sie wird nicht sterben, im Gegensatz zu mir. Sie weiß es schon lange, dass ich es tue…“

Der Grössere sieht ihn betreten an.

„Ich werde auf sie aufpassen. Wie auch immer. Ich habe es ihr versprochen.“

Die Frau läuft auf die beiden zu und sieht sie direkt an.

„Hey, ihr zwei, mit dem gleichen verwirrenden Vornamen, was gibts da zu tuscheln? Mein Taxi kommt gleich und ich hätte gerne noch eine Zigarette von Euch.“

Der Kleinere zündet ihr eine an und gibt sie ihr. Ein Ritual, wie zwischen alten Vertrauten.

Sie rauchen still. Das Taxi kommt und sie haucht dem kleinen Mann einen Kuss auf die Stirn zum Abschied. Der andere dreht sich weg. Sie fährt.

„Du!“

Der Grössere runzelt die Stirn. „Was, ich?“

„Du wirst es tun.“

Der Grössere dreht sich verwirrt zum gehen…

Der kleinere Mann starb. Ein paar Monate nach dieser Begegnung, nahm der Tumor ihm sein Dasein.

Der andere starb nur kurz, während einer Operation wurde er wiederbelebt. Ein paar Wochen danach nahm er sein Telefon in die Hand.

„…ich kann nicht sagen, was es ist, aber ich konnte Dich nicht vergessen. Vom ersten Moment an, liebte ich Deine Augen…“ flüstert er und lässt langsam seine Finger in ihren Haaren spielen.

Nach einer wahren Geschichte.

Es ist…

…ganz einfach, hat man mir gesagt. Mein Job, mein Ding, einfach. Wie immer. Seit Jahren.

Dann geht alles schief. Die älteste Sache der Welt knallt in diese Augen. Verklärt den Blick, blockiert ihr Ziel. Jetzt steht ein Fremder nackt in meiner Dusche und ist trotzdem noch der gleiche Mensch.

All of me

Die Fotos sind noch auf der Speicherkarte. Ich schaffe es nicht, sie auf das Laptop zu laden… Es bricht mir das Herz.

Den Kopf in Deinem Schoß betrachte ich Dein Gesicht. Sommersprossen auf den Lippen. Sommersprossen auf Deinen Händen. Deine Hände…

Warm und trocken streicheln sie meinen Rücken. Ich blinzle eine Träne weg.

„…Du wirst weinen und es wird wieder ein paar Tage dauern…aber auch das wird besser, wie immer…“

„Warum tun wir das?“

„Weil Du, Du bist und mich liebst! Und ich, ich bin und es mir nicht eingestehen möchte, dass ich Dich liebe, weil ich sonst die Welt einreißen muss…“

„….weil ein ganzes Leben zwischen uns liegt, dass wir sicher als Fortsetzungsroman schreiben können.“

Ich kichere. Du küsst meine Stirn. Die Zeit hat mir den Schmerz genommen. Ich fühle ihn kaum noch. Ich versuche mir nur das Bild von deinen Lippen einzuprägen, jede einzelne Sommersprosse, die ich seit tausend Jahren alle einzeln kenne und den Ausdruck Deiner Augen, wenn sie mich ansehen.

Dann gehe ich. Steige in mein Auto und blende ein anderes Leben einfach darüber. Die Kamera im Automatik- Modus.

23

Stunden. Können manchmal das schaffen, wofür manche Jahre brauchen. Es gibt Dinge, die vergisst man nicht. Wie jemand tickt, wie man die Leere füllt, in den Augen, die man vor Jahren verursacht hat.